Einspruch gegen Steuerbescheid

Fehler im Steuerbescheid korrigieren lassen

Einsprüche gegen Steuerbescheide sind in vielen Fällen erfolgreich. Als Unternehmer haben Sie also gute Chancen, dass sich der zeitliche Aufwand bezahlt macht, wenn Sie Fehler in Ihrem Steuerbescheid finden. Denn für die Bearbeitung von Einsprüchen erhebt das Finanzamt keine Gebühren. Wir erklären Ihnen, worauf Sie bei einem Einspruch achten sollten.

Einspruch Steuerbescheid

Frist, Form und Folgen

Sie haben nur einen Monat Zeit

Ihren Einspruch müssen Sie innerhalb eines Monats beim Finanzamt einlegen. Die Frist beginnt ab dem vierten Tag nach dem Datum Ihres Steuerbescheids. Geht Ihr Einspruch auch nur einen Tag zu spät ein, muss das Finanzamt ihn nicht mehr akzeptieren. Es sei denn, Sie können nachweisen, nicht Schuld an der Verspätung zu sein – etwa, weil Sie längere Zeit krank waren. Zeitaufwendige Geschäftsreisen erkennt das Finanzamt allerdings nicht als Versäumnisgrund an. Sie müssen so geplant werden, dass wichtige Fristen sich einhalten lassen.

Schriftlich begründen

Sie können Ihren Einspruch schriftlich per Post, Fax oder E-Mail erheben oder persönlich zum Finanzamt gehen und ihn dort von einem Sachbearbeiter erfassen lassen. Auf dem Steuerportal „Mein Elster“ haben Sie ebenfalls die Möglichkeit, einen Einspruch an Ihr Finanzamt zu übermitteln. Geben Sie in jedem Fall Ihre Steueridentifikationsnummer sowie die Kennung des Steuerbescheids an, auf den sich Ihr Einspruch bezieht. Begründen Sie Ihren Einspruch so präzise wie möglich.

Zahlen Sie pünktlich trotz Einspruch

An der Fälligkeit und Höhe der geforderten Zahlung ändert Ihre Beschwerde zunächst nichts. Nur wenn Ihr Einspruch sehr wahrscheinlich Erfolg haben wird, ist ein Zahlungsaufschub durch eine „Aussetzung der Vollziehung“ (AdV) eine Option. Wird Ihr Einspruch allerdings schließlich doch abgelehnt, zahlen Sie für den gewährten Zahlungsaufschub zusätzlich zum ursprünglich festgesetzten Betrag Zinsen.

Geringes Risiko

Bei einem Einspruch muss der Finanzbeamte nicht nur den von Ihnen beanstandeten Punkt prüfen, sondern jede Angabe. Die Komplettprüfung kann dazu führen, dass weitere Fehler auffallen und der Steuerbescheid sich noch stärker zu Ihrem Nachteil ändert. Über eine solche Verschlechterung muss Sie das Finanzamt informieren, damit Sie Ihren Einspruch rechtzeitig zurückziehen können. Danach gilt wieder der ursprüngliche Steuerbescheid als wäre nichts gewesen.

Der Glücksfall: Wenn Ihre Angaben in der Steuererklärung korrekt und vollständig sind, sich das Finanzamt jedoch zu Ihren Gunsten vertan hat, müssen Sie dies nicht melden.

Antrag auf Änderung und anhängige Verfahren

Sie haben einen Fehler gemacht

Bei der Prüfung des Steuerbescheids stellen Sie fest, dass Sie sich bei Ihren Angaben zu Ihren Ungunsten geirrt haben. Statt eines Einspruchs gegen den Steuerbescheid, durch den Ihr Fall komplett neu aufgerollt werden muss, reicht oftmals der „Antrag auf Änderung“. Auch für diesen Antrag gilt die Frist von einem Monat.

Das Finanzamt hat einen Fehler gemacht

Mithilfe von handelsüblichen Steuerprogrammen können Sie die zu erwartende Höhe Ihrer Nachzahlung oder Erstattung berechnen. Weicht Ihr Steuerbescheid von dieser Prognose ab, vergleichen Sie die Zahlen Schritt für Schritt. Fehlt im Erläuterungsteil des Steuererbescheids eine Erklärung für die von Ihren Angaben abweichenden Zahlen, dann ist dem Finanzamt bei der Bearbeitung vielleicht ein Fehler unterlaufen. Bitten Sie am besten schriftlich um eine punktuelle Korrektur. Dazu stellen Sie einen "Antrag auf Änderung des Steuerbescheids“. Wird dieser abgelehnt, können Sie immer noch überlegen, ob Sie Einspruch einlegen.

Sich an laufende Verfahren hängen

Für viele noch nicht geklärte Steuerfragen laufen bereits Musterverfahren beim Bundesfinanzhof – zum Beispiel für folgende:

  • Sind Kleinstbetriebe generell von der elektronischen Übermittlung der Steuererklärung befreit? (BFH VIII R 29/17)
  • Müssen Werbegeschenke mit Firmenlogo einzeln aufgezeichnet werden? (BFH XI R 31/16)
  • Ist eine Notfallpraxis im privaten Keller ein häusliches Arbeitszimmer oder eine Betriebsstätte? (BFH VIII R 11/17)

Spiegelt ein anhängiges Verfahren Ihre Situation, können Sie sich an diesen Rechtsstreit hängen, ohne selbst Klage erheben zu müssen. In den entsprechenden Punkten gilt Ihr Steuerbescheid dann als vorläufig. Entscheidet das Gericht in ein paar Jahren zugunsten der Steuerzahler, folgt die Steuererstattung automatisch.

Klage vor dem Finanzgericht sollte gut überlegt sein

Gibt es kein anhängiges Verfahren oder Ihr Einspruch wurde abgelehnt, können Sie den nächsten Schritt gehen und gegen den Steuerbescheid vor dem Finanzgericht klagen.

Wichtig: Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten Sie mit einem Steuerberater klären, wie erfolgversprechend Ihre Klage ist. Denn verlieren Sie den Prozess, müssen Sie die Gerichtskosten sowie die Honorare für den Rechtsanwalt zahlen.

Hinweis auf Beratung: Dieser Artikel gibt nur Anregungen sowie kurze Hinweise und erhebt damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen können eine persönliche Beratung durch einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein nicht ersetzen.

Zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2018